Bedeutende Spielerinnen – Jutta Borek

Interview mit Jutta Borek

Vierfache Staatsmeisterin Jutta Borek im Gespräch mit Frau Schach

„Erst der Erfolg macht süchtig.“

WFM, vierfache Staatsmeisterin Jutta Borek mit Frau Schach
Wann und wie sind Sie zum Schach gekommen?
Als Kind habe ich eigentlich nur ein paar Mal mit meinem Vater und meiner Schwester gespielt, aber nur ganz sporadisch und gerade so, dass ich das Spiel kennengelernt habe. Erst als Studentin an der WU bin ich wieder zum Schach gekommen und dann ging es schachlich sehr rasch aufwärts. 1984 habe ich mit Turnierschach begonnen und 1986 habe ich bereits an der Schacholympiade teilgenommen. „Erst der Erfolg macht süchtig.“

Was macht für Sie die Faszination des Schachspiels aus?
Das es immer wieder neu ist. Und auch dieses „Tüfteln“ und Kombinationen finden liebe ich am Schach. Und eigentlich auch die Geselligkeit, das Reisen, die Möglichkeit spannende und vielfältige Menschen kennenzulernen.

Welche Schachliteratur bzw. Lernhilfen würden Sie empfehlen?
„Der Rochadeangriff“ von Vukovic Treppner und „Praktische Endspiele“ von Paul Keres. Ich persönlich habe aber Theorie nie geliebt.

Welche Partie würden Sie als Ihre beste einstufen?
Generell würde ich sagen, wenn ich gegen einen deutlich stärkeren Gegner gewinne und wenn die Partie so „aus einem Guss“ ist.

Welche Vorbilder hat so ein Profi wie Sie?
Könnte kein Vorbild nennen, aber der Stil von Nimzowitsch und Karpov gefällt mir sehr gut. Im Gegensatz dazu finde ich Kasparov und Fischer zu kompliziert, zu taktisch.

Wie würden Sie Ihre Stärken und Schwächen definieren?
Ich bin eher eine positionelle Spielerin und ich fühle mich im Endspiel sehr wohl. Meine Entscheidungsschwäche und die Zeitnot haben mir dagegen schon manchmal Probleme bereitet. Seit ich regelmäßig im Internet Blitzschach spiele, habe ich den Eindruck, diese Themen besser im Griff zu haben.

Welche Rolle spielt Fleiß im Spitzenschach und welche Talent?
Ich denke, dass nur die Kombination von Fleiß und Talent zu höchstem Niveau führen kann.

Warum sind auch heute noch Frauen im Spitzen- und Breitenschach so unterrepräsentiert?
Ich denke, dass traditionell Schach den Männern vorbehalten war (also geschichtlich bedingt), dass Frauen Logik und mathematische Rätsel weniger mögen und dass sie nicht so fanatisch sind wie Männer.

Lässt sich Ihrer Meinung nach ein Unterschied im Schachspiel zwischen Männern und Frauen feststellen?
Ich denke, dass Frauen von Natur aus etwas vorsichtiger und weniger aggressiv sind.

Ich beschäftige mich damit, Schach für Frauen attraktiver und zugänglicher zu machen. Was würden Sie empfehlen um Schach unter Frauen beliebter zu machen?
Ich glaube, Schach ist ein fantastisches und eigentlich einfaches Spiel, man müsste Frauen (mit Interesse für Logik) nur mit dem Spiel in Kontakt bringen und eventuelle Ängste und Fehleinschätzungen ausräumen.

Was raten Sie jungen Mädchen die sich mit Schach beschäftigen und verbessern wollen?
In einen Schachklub zu gehen, der speziell Jungendtraining anbietet.

Spielen Sie auch nur so zum Vergnügen Schach?
Wie gesagt, „blitze“ ich gerne im Internet. Es ist natürlich in keiner Weise ein adäquater Ersatz zu einer „richtigen“ Schachpartie. Aber: “Besser als gar nicht Schach spielen!“

Vielen Dank für das Gespräch!