Frau Schach Berichte

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Schachurlaube in Italien

Wir Schachspielerinnen haben es gar nicht so leicht mit der Urlaubsplanung. Zwar gibt es eine Fülle interessanter Turniere, aber nach einer schachintensiven Woche mit sieben oder neun Turnierrunden kommt man vielleicht erfolgreich, aber oft auch ziemlich erschöpft wieder nachhause. Sollten die nicht ganz Hartgesottenen unter uns also lieber auf Schach im Urlaub verzichten und ans Meer fahren oder einen schönen Städtetrip vorziehen?

Mein Mann und ich, freudige Schachspieler (er seit seiner Schulzeit, ich seit einigen Jahren, und auf sehr unterschiedlichem Niveau) und ebenso freudige Italienurlauber, haben vorletztes Jahr die Lösung dieses Problems für uns gefunden: Fünfrundige Wochenendturniere in Italien, die sich mit beliebig vielen Urlaubstagen rundherum kombinieren lassen! Es gibt sie (fast) überall, am Meer, in den Bergen, in den schönen historischen Städten.

Die meisten Veranstalter bieten ein A-, B- und C-Turnier an, ideal auch für Turnierneulinge, die nicht gleich auf allzu starke Gegner treffen wollen. Während die stärkeren Turniere FIDE-gewertet werden, wird beim C-Turnier allerdings oft nur die national (= italienische) Wertung berücksichtigt. Schade für jene, die ihre internationale Elo-Zahl aufbessern wollen, aber sehr entspannend für alle, die sich spannende Partien in Turnieratmosphäre, aber ohne allzu viel Druck wünschen!

So haben wir, das schachbegeisterte Paar aus Wien, im Dezember 2016 unser erstes italienisches „open internazionale“ besucht, und zwar im kleinen, aber historisch interessanten Palmanova. Das Städtchen ist nicht nur hübsch, sondern auch mit Auto, Bahn und Bus von Wien aus fast konkurrenzlos leicht zu erreichen, und Parkplatzprobleme gibt es keine. Das jährliche Open findet rund um den Marienfeiertag am 8. Dezember statt, was dieses Jahr (er fällt auf einen Samstag) vom Datum her zwar weniger attraktiv ist als die Fenstertagsvariante, aber italienische Adventatmosphäre winkt auf jeden Fall. Der Spielort liegt direkt am Hauptplatz, nach dem Spiel findet man die Analysebretter im gut geheizten, schönen Kaffeehaus an der Ecke.

Die Atmosphäre im Turniersaal ist sozusagen gemäßigt international, im A- und B-Turnier trifft man auf Gegner aus Slowenien, Bosnien oder gar auf den einen oder anderen Österreicher – die Maskulin-Endung ist hier wörtlich zu nehmen, denn das Frauenaufkommen ist in Palmanova aus irgendeinem Grund niedriger als in anderen italienischen Turnieren. Trotzdem kann frau sich im Turniersaal wohlfühlen und (so vorhanden) ihre Italienischkenntnisse auffrischen. Apropos Sprachen: Einer der Schiedsrichter spricht – als Südtiroler – perfekt Deutsch, und gerade die jugendlichen Spieler im C-Turnier freuen sich, ihr Schulenglisch ausprobieren zu können. Dieses Jahr gibt es übrigens gleich vier Turnierniveaus – hier die Ausschreibung! Und zum Schluss noch ein Restauranttipp: „Ai Due Delfini“, wenige Gehminuten vom Spielort entfernt, ist absolut empfehlenswert (und preisgünstig). 

Der Spielort in Palmanova.

Der Spielort in Palmanova.Nach Palmanova wollten wir unbedingt ein weiteres Fünfrundenturnier besuchen und haben uns im Herbst 2017 für jenes in Chioggia entschieden. Die Stadt liegt etwas unterhalb von Venedig, und die schöne Altstadt sieht aus, als hätte ein Riese mit einem Pizzaschneider ein Stückchen Venedig herausgeschält und im Süden der Lagune abgelegt. Der neue Stadtteil Sottomarina ist ein beliebter Badeort, der den Charme der 60er- oder 70er-Jahre atmet. Ende September, zur Zeit des Turniers, ist das Meer offenbar noch warm genug, um zumindest einige Schwimmer anzulocken, an einem kleinen Teil des langen Sandstrandes können die hartnäckigen Sonnenanbeter noch in Liegestühlen dösen. Wir machen lieber ausgedehnte, barfüßige Strandspaziergänge im feuchten Sand und sammeln Muscheln.

Sonnenaufgang in Chioggia.

Schach gespielt wird im schönen großen Saal des Hotel Sole in Sottomarina, wo viele Spieler auch wohnen. So wie in Palmanova sind auch hier die italienischen Spieler in der Überzahl, im Vergleich zu dort trifft man in Chioggia aber mehr Frauen und Mädchen. Im C-Turnier 2017, in dem ich nur einen Punkt mache (neben einem bye L), gibt es eine Siegerin, die damals elfjährige Anna Gomirato, der ich bei der Preisverleihung heftig applaudiere.

Chioggia und sein Turnier haben es uns so angetan, dass wir auch 2018 wieder dort sind, bei genauso schönem Spätsommerwetter. Diesmal sind von den 60 Teilnehmern des B-Turniers immerhin 10 weiblich, darunter meine junge Heldin aus dem Vorjahr. Davon inspiriert, spiele ich in C doch etwas besser als 2017 und kann mich über ehrlich erkämpfte 2,5 Punkte freuen. 

Der Spielsaal in Chioggia. Ganz links zwischen den Kindern: Schachfrau Solveigh beim Grübeln.

In Sottomarina ist man, zumindest um diese Jahreszeit, hauptsächlich unter Einheimischen. Das ändert sich schlagartig, wenn man auf Besichtigungstour geht: Die sehenswerten Städte Treviso (unser Liebling), Padua und Vicenza sind lohnende, leicht zu erreichende Ausflugsziele, nach Venedig und seinen Inseln fährt man mit dem Vaporetto. Und auch für Sottomarina gibt es einen Lokaltipp, im Restaurant des Hotel Park isst man unglaublich gut und preisgünstig, die Auswahl ist riesig, auch die Einheimischen treffen sich hier in der Mittagspause und am Abend.

Vielleicht kommen wir auch im nächsten Jahr wieder nach Chioggia, obwohl viele andere attraktive Turniere in Italien locken – wir gustieren jetzt ständig auf den Kalenderseiten von

>> Vesus.org und

>> Federscacchi.

Noch ein Rat zur Suche auf diesen Seiten: Viele Turniere werden erst relativ spät angekündigt.

Für die längerfristige Planung empfiehlt sich: Wunschort in die allgemeine Suche eingeben, wenn ein Turnier seit vielen Jahren regelmäßig stattfindet, aber für heuer/nächstes Jahr noch nicht angekündigt ist: An den Veranstalter schreiben und nachfragen!  

Solveigh Rumpf-Dorner

Frau Schach räumt ab

Beim Wolfmayer Cup – ein so genanntes Rundenturnier, bei dem im Oktober und November 2017 jeweils montags eine Partie gespielt wurde – nahmen rund 50 Männer und 5 Frauen teil – vier davon aktive Mitglieder von „Frau Schach“: Gründerin Karoline Spalt, Sabine Kirschenhofer, Anne Haslbeck und meine Wenigkeit, Dagmar Jenner. Die Frauenbilanz kann sich mehr als sehen lassen: Von den 5 Frauen haben vier einen Pokal errungen. Hier unser tolles Ergebnis im Überblick:

Sabine Kirschenhofer: 2. Platz im C-Turnier
Karoline Spalt: 2. Platz im D-Turnier
Karin Paschon (nicht bei Frau Schach): 1. Platz im F-Turnier
Anne Haslbeck: 2. Platz im F-Turnier

Was mich betrifft, verzeichne ich es schon als Erfolg, im F-Turnier nicht Letzte geworden zu sein. Wenn ich fleißig weiterübe, darf ich vielleicht auch irgendwann mal so einen schönen Pokal in Händen halten. Probeweise machte ich das schon bei dieser Siegerehrung, da ich stellvertretend für Karoline deren Pokal entgegennahm. Fühlt sich richtig gut an!

Von links: Dagmar mit Karolines Pokal, Sabine, Anne

Auf jeden Fall sehen wir: Wenn die Damen von „Frau Schach“ anrücken, kann sich die (Männer-)Schachwelt richtig warm einpacken!

Bei der sehr nett gestalteten Siegerehrung mit warmem Buffet nutzten wir die Gelegenheit, uns ein wenig selbst zu feiern, bevor wir die „stille“ Zeit in Angriff nehmen.

Die nächste Auflage des Wolfmayer Cup findet übrigens ab 5. Februar 2018 statt und einige von uns sind wieder fix dabei. Wer möchte sich zu unserem starken Team gesellen?

Dagmar auf dem Weg zum Sieg mit Schwarz gegen Andreas Enzmann.

Frau Schach beehrt das Auhof Open

Mitten im Hochsommer, von 16. bis 20. August 2017, ging im Hotel Rainers das traditionelle und beliebte „Auhof Open“ (5 Runden) mit rund 120 TeilnehmerInnen über die Bühne – etwa 5% davon waren Frauen, und die meisten dieser Exotinnen waren aus unseren Reihen. Die „Frau Schach“-Delegation umfasste Kineke Mulder und Sabine Kirschenhofer im B-Turnier und Anne Haslbeck und Dagmar Jenner im C-Turnier. Wobei Letztere ihr allererstes Turnier spielte und vollauf begeistert war, zumal sie tatsächlich einen Sieg für sich verbuchen konnte und lauter angenehme Gegner (wenig überraschend allesamt Männer) hatte. Und ihre ersten Elo-Punkte hat sie auch ergattert (bescheidene nationale 1036). Sabine hat 2,5 Punkte gemacht – herzliche Gratulation!

Hinten von links: Dagmar und Anne, vorne: Sabine und Kineke. Frauenpower beim Auhof Open!

Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich, Dagmar, freue mich schon auf die Neuauflage kommendes Jahr! Wer zum ersten Mal Turnieratmosphäre schnuppern will, ist beim Auhof Open bestens aufgehoben. Es herrscht dort im Hotel ein sehr angenehmes Ambiente, der Raum ist klimatisiert und es gibt Wasser, Kaffee und Tee. Aber seid gewarnt: Wie einige Frauen von „Frau Schach“ bestätigen können: Wenn frau einmal das Turnierfieber packt, ist es um sie geschehen!

Zugegeben: Der Pokal ist nur ausgeborgt, aber Sabine hat schon selbst welche gewonnen. Respekt!

19. Hörndlwald openAir – das Freiluft-Schachturnier in Wien

Ein wirklich ganz besonderes Erlebnis für die Schachfrau von Welt ist das überaus originelle Hörndlwald Open, das heuer bereits zum 19. Mal in der ersten Juliwoche stattfand.  Okay, man muss schon ein wenig Abenteuerlust besitzen, um fünf Runden auf Bierbänken sitzend und von Mücken geplagt zu bewältigen. Es zahlt sich aber mehr als aus. Das Teilnehmerfeld ist zwar überschaubar an Größe (13 Schachspieler und eine Schachspielerin), aber dafür durchaus mit vielen starken und interessanten Spielern bestückt. Die Stimmung war überaus locker, freundlich und sehr entspannt.

Die kleine, aber feine Turniergruppe!

Der Schiedsrichter Gerald Schluderbacher hat trotz der lockeren Atmosphäre sein Amt sehr ernst genommen und uns vor jedem Partiebeginn über die neuesten Turnierregeländerungen und Besonderheiten aufgeklärt. Also für 5 Euro Startgeld hat frau noch einen kleinen Auffrischungskurs bezüglich Tunierregeln erhalten, auch nicht schlecht 🙂

Organisator Kurt Frank (Weiß) mit vollem Einsatz.

Bei langem Partieverlauf war es vielleicht ein wenig verwirrend , dass die Beleuchtung in Form einer Glühbirnengirlande nicht gerade Operationssaallichtverhältnisse schaffen konnte. Auch der für manche lange Anfahrtsweg ist sicher mit ein Grund, dass das Turnier immer noch ein Geheimtipp ist, aber dies alles wird durch viel frische Luft, die sympathischen Veranstalter (Gerhard und Kurt Frank) und das besondere Ambiente wettgemacht.

Nichtsdestotrotz hat es mir unglaublich Spaß gemacht und ich kann nur jeder Schachspielerin empfehlen, sich bereits jetzt schon die erste Juliwoche 2018 freizuhalten, denn da wird Jubiläum gefeiert, 20.Hörndlwald open Air. Ich bin auf alle Fälle dabei!

Eine Eröffnung mit möglichst vielen Fehlern. War ein paar Züge später bereits mausetot 🙂 Motto lautet: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Mir hat so Turnierschach wieder Spaß gemacht!
Vielen Dank an die Veranstalter und den SC-Hörndlwald.

LG eure Karoline

  

11. April 2017: Frauenschachabend mit Buchpräsentation und Simultanpartie mit Michael Ehn

Eine echte Premiere gab es beim vergangenen Frauenschachabend am 11. April. Nach den ersten beiden Stunden eines „normalen“ Abends gab es die Möglichkeit, in einen anderen Bereich des Café Schopenhauer zu wechseln, wo Michael Ehn, seines Zeichens prominenter Schachhistoriker, sein neues Buch mit dem Titel „Geniales Schach im Wiener Kaffeehaus 1750-1918“ präsentierte.

Frauenschach Wien, Frau Schach, Café Schopenhauer

Viele unserer Schachfrauen lauschten begeistert (siehe Foto) den launigen Ausführungen des Autors, der nicht aus dem Buch vorlas, sondern Anekdoten aus seiner Schach-Anfangszeit in Wien zum Besten gab. Danach ging es zur Sache: Wer wollte, konnte gegen Michael Ehn in einer Simultanpartie antreten. Mit Nara und Dagmar waren zwei Schachfrauen im Einsatz. Das Ergebnis war erwartbar, aber die Herausforderung hat natürlich sehr viel Spaß gemacht!

Frauenschachabend, Wien, Buchpräsentation Michael Ehn, Simultanpartie, Frauenschachclub

Hier geht es zum sehr empfehlenswerten Buch von Michael Ehn! Zu erwerben unter anderem bei Schach & Spiele!

14. Februar 2017: Frauenschachabend am Valentinstag ♥

Über absolut volles Haus freuten wir uns am Valentinstag … es kamen so viele Schachfrauen wie noch nie und die Stimmung war hervorragend. Hocherfreut waren wir auch über die Teilnahme von Maria Horvath, Spitzenspielerin und ehemalige Frauen-Staatsmeisterin, der hier auch ein Interview gewidmet ist.

Angesichts der Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld waren diesmal auch einige „neue“ Schachfrauen dabei, die sichtlich Spaß in unserer netten Runde hatten. Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen und auf viele weitere spannende Schachpartien!